Häufige Sicherheitsfragen zu Kindersitzen

Hier finden Sie die am häufigtsten gestellten Fragen und unsere Antworten

Darf der Kindersitz auch vorn auf dem Beifahrersitz befestigt werden?

Kindersitze dürfen generell auf dem Beifahrersitz montiert werden. Bei Rückhaltesystemen entgegen der Fahrtrichtung (z.B. Babyschale der Gruppe 0+) muss allerdings der Beifahrerairbag deaktiviert werden, ansonsten kann es im Falle eines Unfalls zu schweren Verletzungen kommen! Es gibt jedoch Fahrzeughersteller, die den Beifahrersitz wegen möglicher Gefahren durch die Airbag-Auslösung generell für die Kindersicherung nicht empfehlen (z.B. BMW, Volvo, Opel bei Seitenairbag). Lesen Sie dazu das Betriebshandbuch Ihres Fahrzeugs durch oder wenden Sie sich an Ihre Werkstatt. Der ADAC empfiehlt aber ohnehin für die Kindersicherung die hinteren Plätze zu verwenden.

Welcher Platz ist der sicherste für Kinder im Auto?

Der sicherste Platz für Kinder im Auto ist hinten, am besten auf dem mittleren Rücksitz! Dort ist das Kind von den Seitenwänden am weitesten entfernt und bei einem Aufprall optimal geschützt. Wichtig: Der Gurtverlauf muss zu dem Kindersitz passen, reine Beckengurte sind nicht geeignet. Weichen Sie in diesem Fall auf einen der seitlichen Rücksitze mit Dreipunkt-Gurtsystem aus. Da in den meisten Fahrzeugen der mittlere Platz nicht voll ausgebildet und auch das An- und Abgurten erschwert ist, ist der praktikabelste und sicherste Platz hinten rechts, auch wegen dem Ausstieg zur Gehwegseite.

"Gefahr" Airbag: Was muss hinsichtlich Kindersitz und Airbag beachtet werden?

Airbags wurden entwickelt um das Autofahren noch sicherer zu gestalten, doch sind sie erst für Kinder ab 15 Jahren geeignet. Besonders gefährlich kann es werden, wenn der Beifahrer-Airbag nicht abgeschaltet ist und Sie eine Babyschale auf dem Vordersitz verwenden. Darum sollten Sie grundsätzlich den Kindersitz oder die Babyschale auf dem Rücksitz montieren, denn eine kleine Nachlässigkeit beim Anbringen des Sitzes oder ein versehentlich aktiver Airbag reichen schon aus und können für Ihr Kind zur Gefahr werden, da schwere Verletzungen im Kopf- und Nackenbereich die Folge von der Aufprallwucht eines Airbags sein können.

"Das Risiko schwerer Verletzungen ist auf dem Beifahrersitz 3 mal so hoch wie auf dem Rücksitz..."

Um wie viel größer diese Gefahr tatsächlich ist, fand Craig Newgard von der Universität Portland, Oregon, in seinen Studien heraus: Das Risiko schwerer Verletzungen ist demnach auf dem Beifahrersitz fast dreimal so hoch wie auf dem Rücksitz und ein ausgelöster Airbag versechsfacht dieses Risiko sogar! Newgard analysierte hierfür 3 790 Unfälle mit Kindern zwischen einem Monat und 18 Jahren auf dem Beifahrersitz innerhalb von acht Jahren.

Rückwärtsgerichtete Sitze: soll der Kindersitz vorwärts oder rückwärts gerichtet sein?

Statistisch gesehen ist die Verletzungsgefahr bei vorwärtsgerichteten Kindersitzen der Gruppe I (ca. 9 Monate bis 4 Jahre) im Vergleich zu rückwärtsgerichteten Sitzen der Kategorie 0+ (ab Geburt bis ca. 18 Monate) signifikant höher, da der Kopf des Kindes in Relation zum Körper nach wie vor sehr groß und schwer ist.
Dies liegt am bislang marktüblichen 5-Punkt-Gurtesystem bei vorwärtsgerichteten Autositzen, die die Schultern des Kindes fixieren und damit im Falle eines Unfalls eine starke Belastung für den Nacken darstellen. Bei rückwärtsgerichteten Sitzen wird die Energie eines Aufpralls über die große Fläche des Sitzes absorbiert und Kopf, Nacken, Schultern und innere Organe entlastet.

Was bedeutet ISOFIX?

ISOFIX ist ein Befestigungssystem für Autokindersitze, das international genormt ist. Ob Ihr Kindersitz damit ausgestattet ist, erkennen Sie an den beiden Rastarmen am Kindersitz. Meistens weisen auch die Namen der Sitze darauf hin. Um Modelle mit dieser Vorrichtung nutzen zu können, muss Ihr Fahrzeug mit ISOFIX ausgestattet sein, also über fahrzeugeigene ISOFIX-Punkte verfügen, und mit dem jeweiligen Sitzmodell kompatibel sein. Viele Kindersitzhersteller bieten mittlerweile einen Kompatibilitätscheck auf ihrer Website an und Fachhändler sollten Sie ebenfalls darauf aufmerksam machen. Die Rastarme des Sitzes greifen mit Schnappverschlüssen um die Rastbügel des Autos, die sich zwischen der Sitzlehne und dem Sitzpolster befinden. Bei der Montage muss ein deutliches Klicken zu hören sein, nur dann sind die Schnappverschlüsse richtig eingerastet. Korrekt eingebaut, ist der Sitz schließlich fest mit der Karosserie des Autos verbunden.

Die Base wird durch die ISOFIX Konnektoren und einem Stützfuß fest und sicher auf dem Autositz befestigt. Die Babyschale muss dann nur noch eingesetzt werden. Achtung: Auch hier muss das Fahrzeug mit der Basis kompatibel sein!

Was ist ein Top Tether?

Sogenannte Top Tether sind zusätzlichen Verankerungspunkt, die sich an unterschiedlichen Stellen hinter dem Rücksitz befinden. Jedoch sind auch hier nicht ausnahmslos alle Fahrzeuge damit ausgestattet, besonders in älteren Modellen sucht man oft vergebens danach. Der zusätzliche Haltegurt oben am Kindersitz reduziert die Vorverlagerung des Kopfes bei einem Frontalunfall. Generell dürfen nur vorwärts oder rückwärts gerichtete Sitze der Gruppe I (9-18 kg) mit Rückenlehne durch ein System mit Top Tether Gurt befestigt werden.

Dennoch ist von Top Tether Sitzen eher abzuraten, da sie um einiges schwieriger einzubauen sind und somit die Gefahr einer Fehlbedienung erhöhen. Im letzten Test der auto, motor und sport zeigte sich eine weitere Problematik: Je nachdem wo sich die Top Tether Punkte am Sitz und Auto befinden, kann eine starre Verbindung zustande kommen. Die Sitze im Test, bei denen so etwas auftrat, brachen über die gesamte Breite durch! Bei einem solchen Systemversagen interessieren dann auch keine guten Kopfbelastungswerte mehr. Kommt es zu einem Unfall, mag der erste Aufprall noch gutgehen, beim Zusammenstoß mit einem auffahrenden Auto oder einem weiteren Hindernis bietet der zerstörte Sitz jedoch keinen Schutz mehr! (auto, motor und sport, 14.01.10)